Anonyme eSIM – aktuell gibt es nur teuer oder identifizierbar

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3. Februar 2026

Wer heute im Mobilfunknetz unerkannt bleiben möchte, steht vor einer digitalen Mauer. Während die klassische Plastik-SIM-Karte durch strenge Ausweispflichten bereits fast vollständig „gläsern“ geworden ist, galt die eSIM lange als Hoffnungsträger für mehr Flexibilität. Doch die Realität für sicherheitsbewusste Nutzer sieht ernüchternd aus.

Aktuell bewegt sich der Markt für anonyme eSIM-Profile in einer frustrierenden Sackgasse: Entweder man zahlt für spezialisierte Krypto-Provider völlig überzogene Preise, die in keinem Verhältnis zum Datenvolumen stehen, oder man landet bei herkömmlichen Anbietern, die durch verpflichtende Identitätsprüfungen (eKYC) jeden Funken Privatsphäre im Keim ersticken. Ein Mittelweg, der sowohl erschwinglich als auch wirklich privat ist, scheint in der aktuellen Regulierungslandschaft kaum noch vorgesehen zu sein.

Die kurze Antwort lautet daher: Echte Anonymität ist im Jahr 2026 fast vollständig vom Markt verschwunden. Durch verschärfte globale Regulierungen (wie die EU-Geldwäsche-Richtlinien und nationale Sicherheitsgesetze) ist die Identifizierung der Nutzer mittlerweile der Standard. Dennoch gibt es Abstufungen und „Nischen“, die oft als anonym beworben werden.

1. Die Situation in Deutschland

In Deutschland ist die Lage am restriktivsten. Seit der Einführung der Ausweispflicht für Prepaid-Karten müssen Sie sich bei jedem Anbieter (Telekom, Vodafone, O2 und deren Tochtermarken) per Video-Ident oder Post-Ident legitimieren.

  • Keine Grauzonen mehr: Selbst Discounter-eSIMs (wie von Lidl Connect oder Aldi Talk) erfordern eine Prüfung.
  • „Aktivierte“ Karten: Es gibt Online-Shops, die bereits registrierte SIM-Karten (auf fremde Namen) verkaufen. Diese sind jedoch oft sehr teuer (bis zu 100 € oder mehr) und bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone – zudem besteht das Risiko, dass die Karte jederzeit gesperrt wird.

Selbst Prepaid Freikarten mit eSIM wie O2 oder die kostenlose Callya Freikarte von Vodafone müssen mittlerweile registriert und per Ausweis oder vergleichbarem Dokument freigeschaltet werden. Diese deutschen eSIM kann man zwar schnell aktivieren und freischalten – anonym sind sie aber leider nicht.

2. Reise-eSIMs (Airalo, Saily, Yesim & Co.)

Anbieter, die sich auf reine Daten-eSIMs für Reisende spezialisiert haben, sind die letzte Bastion für Nutzer, die keine Lust auf Ausweisscans haben. Man kann sie in der Regel ohne Video-Ident oder PostIdent holen, aber dennoch sind sie nicht vollständig anonym:

  • Vorteil: Viele dieser Anbieter verlangen für reine Datentarife lediglich eine E-Mail-Adresse und eine Zahlungsmethode (z. B. PayPal oder Apple Pay).
  • Aber: Sobald eine Rufnummer für Telefonie und SMS dabei ist, greifen in fast allen Ländern Identifikationspflichten.
  • Rückverfolgbarkeit: Anonym sind diese Dienste streng genommen nicht, da die Zahlungsmethode (Kreditkarte/PayPal) Sie eindeutig identifiziert. Nur wer mit Kryptowährungen zahlt (was einige Anbieter wie Bitrefill oder Silent.Link ermöglichen), erreicht ein höheres Maß an Privatsphäre.

3. Spezialanbieter für „Privacy“

Es gibt Nischen-Provider wie Silent.Link, die sich gezielt an Datenschutz-Enthusiasten richten.

  • Prinzip: Sie kaufen eine eSIM per Bitcoin (Lightning). Es ist kein Name und kein Ausweis erforderlich.
  • Haken: Diese Karten nutzen meist internationales Roaming. Das ist im Alltag oft teurer als ein lokaler Tarif, und die Latenz (Ping) ist höher, da der Datenverkehr oft über ausländische Server geleitet wird.

Zusammenfassung: Was ist 2026 möglich?

TypAnonymitätAufwandEmpfehlung
Deutsche eSIMNull (Ausweispflicht)Hoch (Video-Ident)Für Alltag & Banking
Reise-Daten-eSIMMittel (Zahlungsdaten)Sehr niedrigFür Urlaub & Surfen
Krypto-eSIMHochMittelNur für absolute Privacy-Fans

Wichtiger Hinweis: „Anonym“ bedeutet im Mobilfunk nur, dass Ihr Name nicht direkt beim Provider hinterlegt ist. Durch die IMEI (Gerätenummer) Ihres Handys und die Standortdaten der Funkzellen ist Ihr Gerät für Behörden im Ernstfall dennoch lokalisierbar.

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